Ich schaue mir heute einen Teil der Sendung “SRF bi de Lüt – Töfflibuebe” an. Ich kämpfe mit den Tränen. Es berührt mich extrem, diese Personen zu sehen, wie sie mit den “Töfflis” herumfahren und die endlose “Freiheit” geniessen dürfen. Genauso wie ich vor 11 Jahren.

Ich breche die Übung in der Mitte der Sendung ab und versuche mich abzulenken von diesem Thema. Es fällt mir ungemein schwer. Viele, zum Teil lange Zeit vergessen geglaubte Erinnerungen kommen wieder hoch. Die alten Zeiten… Ich frage mich wo ich heute wäre. Wäre ich am CERN? Teilchenbeschleuniger? Physiker? Informatiker? Oder wäre ich ein Verbrecher geworden? Wäre ich in einer Jugendbande, die ziellos durch die Strassen zieht und alles kurz und klein schlägt? Wäre ich ein Hooligan geworden und muss mich glücklich schätzen, dass ich den Unfall haben DURFTE? Wäre ich glücklich verheiratet, mit zwei Kindern? Zwei Mädchen? Gott allein weiss die Antworten. Er hat sich für eine andere Aufgabe für mich entschieden. Ich weiss noch nicht welche Er für mich ausgesucht hat… Ich darf sagen, dass ich grosses Glück erfahren durfte, was meinen Job angeht. Ich danke meinem Nachbarn, meinen Schutzengeln und meinen Chefs bei der Schurter AG für die Geduld und Akzeptanz, die sie oft aufbringen, wenn sie mit mir zusammenarbeiten.

Ich frage mich ab und zu halt trotz allem manchmal, was aus mir geworden wäre, wenn ich damals heil zu Hause angekommen wäre. Ich weiss, die Antworten, wenn überhaupt welche existieren, sind nichtig. Ich stelle sie mir genau in solchen Situationen, welche meine Erinnerungen wieder ein wenig auffrischen, trotzdem. Klar müsste ich froh sein, wie es mir momentan geht. Eigentlich bin ich es ja auch. Es sind vielleicht auch sehr viele Ereignisse, die alle zur gleichen Zeit passieren.

Die Trennung von meiner Freundin ist nicht ohne Spuren zu hinterlassen an mir vorbeigezogen. Jetzt kommt der Winter wieder. Das heisst wieder eiskalte, dunkle Morgen, wenn Alex nicht fährt und eiskalte auch dunkle Abende. Weil die Tage kürzer und die Nächte rein mathematisch und physikalisch wirklich absolut kürzer resp. länger werden.

Ich versuche jetzt einfach morgen, während der Chorprobe durch den Gesang und die sozialen Interaktionen, so viel Kraft und Energie zu sammeln, dass es wieder für einige Zeit reicht.

Sehnsucht

3 Gedanken zu „Sehnsucht

  • Samstag, 2013-09-14 um
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    Danke Markus
    Schön geschrieben, toll gemacht, du schafft das schon. Ich bin immer für dich da.
    Alex

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  • Sonntag, 2013-09-15 um
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    Ein sehr schöner Eintrag in Deinem Tagebuch der zeigt, dass Du mit Deiner Situation umgehen kannst.
    Paa

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  • Freitag, 2013-12-13 um
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    Lieber Markus
    Es ist schön Dich zu kennen und mit Dir im Kirchenchor zu singen. Danke für Deinen gefühlvollen Text. Er berüht mich sehr. Schöne Weihnachten mit Deinen Lieben wünscht Dir Irmgard Michlig

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