Ursina schenkt mir zu meinem Geburtstag eine zweitägige Reise in die Stadt der Liebe.

Die Zugfahrt nach Basel verläuft relativ unspektakulär und ich treffe in Basel zum abgemachten Zeitpunkt auf Ursina. Nun wird die Reise interessant.

Ursina und ich wechseln auf den Abfahrtsbahnhof des TGV und wir reisen innnert 3 Stunden und 3 Minuten nach Paris. Wir verlassen den TGV und gehen zu einem Schliessfach. Auf dem Weg dorthin werde ich von einer Asiatischen Dörrfrüchteverkäuferin angesprochen. Sie macht mir ein Angebot, das sehr verlockend tönt. Ich halte ihr also schön brav einen 20 Euro Schein hin. Sie nimmt ihn und reicht mir die Früchte. Ich schaue sie an und warte auf mein Rückgeld. Sie macht aber nicht die geringsten Anstalten mir nur einen Eurocent zurückzugeben. Ich frage sie: “Où est mon retourargent?” Sie entgegnet: “Quelle retourargent?”. Und da wusste ich: Ich wurde übers Ohr gehauen.

gedörrte Früchte

gedörrte Früchte

Ich rege mich langsam aber sicher ab. Atme ein paar Mal tief durch. Ursina meint dann ein bisschen zynisch: “Ich kann ja nicht riechen, dass Du extrem gigantisch überteuerte Dörrfrüchte kaufen willst oder nicht. Ja, ich kann das ja wirklich nicht! Ich bin ja nicht lebensmüde und kaufe Dörrfrüchte in Frankreich an einem Bahnhofstand. GEHTS EIGENTLICH NOCH?!?” Sie ist spassig… Es mir erneut unter die Nase zu reiben! Als ob ich mich nicht schon genug enerviert hätte… So viel zum Thema Dörrfrüchten…

Ich versuche den Metroplan zu studieren, was sich als extrem Komplex erweist. Zum Glück habe ich ein weiteres Mal Ursina bei mir, die das alles managt:

In der Metro bietet Schöberli erneut einen!! Ich will AUS dem Metrobereich gehen, d. H.: Ich will diesen VERLASSEN und halte mein Billett in den Überprüfer. Frage: Wieso muss der Trottel wissen, ob ich ein Ticket habe wenn ich rausgehen will? Ich lasse das Ticket also schön im Ticket-Leser und begebe mich in den Zwischenbereich. Das Tor schliesst sich hinter mir und vorne bleibt es auch zu… Ich konnte mich also weder nach vorn noch nach hinten bewegen. Nun schimpft Ursina mit mir, weil ich unfähig bin! Zurecht! Ursina geht ein bisschen enerviert zum Fräulein in der Box und teilt ihr mein Dillema mit. Anscheinend hat sie Ursina gefragt, ob sie mich im Zwinger drin lassen soll oder doch lieber rauslassen. Ursina ist dann aber so nett und erlöst mich aus der Zwikmühle. Ursina meint dann noch ein bisschen hochnäsig in meine Richtung: “Es bleibt mir ja keine andere Wahl als Dich rauszulassen!”

Wir sehen uns noch den Eiffelturm von unten an. Es ist wirklich viel zu teuer da raufzugehen.

Danach begeben wir uns mit der Metro in die nähe unseres Hotels und kehren im Bistro “Au Soleil d’Austerlitz” ein.

Hier sehe ich auf der anderen Strassenseite ein Objekt, das mir Konkurrenz machen will:

Aber das Lokal ist ja nur das Zentrum der Welt… Ich bin es ja vom gesamten Universum! So pfui, dieses Thema wollen wir nicht in diesem Bericht weiter erörtern…

Es gibt Avokados mit Crevetten und dann Salat mit Meeresfrüchten. Es ist exquisit. Ursina hilft mir beim erstellen des Blogentrys des ersten Tags in Paris. Dann gehen wir in das Hotel “liebertel” in Austerlitz jardin des plantes, denn es ist Schlafenszeit.

Wir checken am morgen aus, begeben uns zum Bahnhof und wollen unser Gepäck in ein Schliessfach verstauen, damit wir dieses nicht den ganzen Tag mit uns tragen müssen. Das wäre ja im Prinzip keine schlechte Idee. Ich verhalte mich natürlich wieder so tollpatschig und unbeholfen wie es von mir zu erwarten ist. Ich marschiere durch einen Metalldetektor, der bei den Schliessfächern steht. Ich wusste das natürlich nicht und reagiere ein wenig konsterniert, als dieser zu piepsen beginnt. Ich frage mich was das jetzt wieder zu bedeuten hat.

Anmerkung: Ursina kriegt die erste Krise mit mir wieder relativ früh. Nämlich jetzt!!

Der Grund für die Piepserei ist das Geld, Natel und andere metallische Bauteile, die sich noch in meiner Hose und Jacke befinden. Die Frau am Metalldetektor schaut mich mit ganz bösem Blick an und sagt mir irgendwas auf Französisch. Ha kä Ahnig was! Sie tönt auf jeden Fall recht enerviert. Erneut rettet mich Ursina, indem sie das ganze mit der Frau regelt. Ein weiteres Mal bin ich gottenfroh, dass Ursina bei mir ist.

Nach dieser Szene begeben wir uns in ein Bistro und nehmen ein Frühstück zu uns. Bei der Bezahlung passiert etwas merkwürdiges. Es hätte meinen “Naivitätsverlust” den ich bei der Früchteverkäuferin am Vortag gemacht habe um ein vielfaches ausgeglichen. Ich bin aber so ehrlich gewesen und habe es der Angestellten versucht zu erklären. Sie ist ein wenig aufgebraust und Ursina übernimmt souverän und klärt den Sachverhalt. Sie managt das ganze in perfektem Französisch und die Serviceangestellte Gastronomie ist froh, über die Ehrlichkeit Ursinas. Ech ha jo bekanntlicherwiis kä Ahnig…

Anschliessend wollten wir den Katakomben einen Besuch abstatten, haben diese Idee jedoch wieder Verworfen, da zu viele Menschen in der Schlange standen. Wir begeben uns also zur nächsten Metrostation und fahren zum Tour Montparnasse. Der Lift befördert uns innert 38 Sekunden auf eine Höhe von 196 m. Wir geniessen die wunderschöne Aussicht über ganz Paris.

Anschliessend geht die Reise weiter auf den Mont Martre. Es hat sehr viele Touristen da und auch Armbändliverkäufer! Ursina giftet einen davon an, weil er ihr um jeden Preis ein mikriges Armbändeli andrehen will. Er sucht sich bei Ursina aber definitiv die falsche Person aus für sein Projekt. Sie faucht ihn zuerst mit fast lautloser Stimme an und wird dann kontinuierlich Lauter. Er lässt dann bei 82 realen und 298 gefühlten Dezibel langsam von ihr ab und wendet sich dem nächsten Opfer zu.

Zurück im Zentrum trennen sich unsere Wege… Mein Weg führt ins Kaffee und Ursinas in die Buchhandlung. Nach einem weiteren ohne Mitwirken von Dörrfrüchteverkäuferinnen die einen übers Ohr hauen wollen, sehr teueren Kaffee (8 Euronen) ziehen wir weiter ins Quartier Latin. Wir suchen dort ein gemütliches Speiselokal auf und ich geniesse Muscheln und Pommes zum Mittagessen. Ein weiteres Mal fühle ich einen Hauch mediterranes Europa auf mich einwirken. Ausser den Pommes, die hab ich genommen, um meinem Chef zu rapportieren, ob sich eine Reise nach Frankreich lohnt. Ich muss Dich jedoch enttäuschen, lieber Chef, sie sind weit entfernt von den feinen Kantinenpommes! Also lieber Chefchef: Eine Reise nach Frankreich lohnt sich definitiv nicht für Dich. Die Pommes dort haben eine zu schlechte Qualität.

Nach dem Mittagessen spazieren wir der Seine entlang und setzen uns auf eine Mauer die senkrecht in den Fluss runtergeht.

Ich manage dieses Vorhaben einmal mehr mit Bravour. Ursina bekommt beinahe den nächsten Herzinfarkt und meint nur zu mir: “Wenn Du in den Fluss fällst, rette ich Dich garantiert nicht!” Und dann, wie könnte es auch anders sein? Beim aufstehen falle ich tatsächlich fast in die Seine!

Wir setzen unsere Reise fort in den Jardin des Plantes.  Im Garten geniessen wir noch ein bisschen die Sonne, Wärme und die Blumen.

Und dann ist dieser Trip auch schon fast wieder vorbei. Wir begeben uns vom Garten zum Bahnhof Garde de Lyon und dort weiter in den TGV. Wir fahren in rasantem Tempo zurück in die Schweiz nach Basel und von dort steigen wir um in denjenigen nach Interlaken Ost.

Dieser fährt bis Olten wo sich dann die Wege von Ursina und mir trennen. Ich bedanke mich herzlich bei Ursina für den schönen Trip und mache mit ihr ab, dass ich sie bald nach Luzern einladen werde.

Im Zug von Olten nach Luzern treffe ich noch auf eine Gruppe jugendlicher, die sich ein wenig zu angeberisch verhalten. Der eine meint zum anderen: “Ich habe Gestern eine Riesenpizza mit riesen Durchmesser runtergedrückt.” Meint der nächste: “Ich habs gesehen, aber das war nichts! Meine war noch viel grösser die hatte den doppelten Radius von Deiner, voll Crass hey, ich schwöre!!!”

2-tägiger Paristrip

2 Gedanken zu „2-tägiger Paristrip

  • Dienstag, 2014-04-08 um
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    wieder einmal mehr ein sehr lebhaft und humorvoll geschriebener Artikel, BRAVO

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  • Dienstag, 2014-04-08 um
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    Lieber Markus, das ist ja spannend, was und wie du deinen Paristrip beschreibst. Ich habe gar nicht gedacht, dass man in zwei Tagen so viel erleben kann in dieser Stadt. Ist aber schön, dass du wieder zurückgekehrt bist und nicht in die Seine gefallen bist, oder dass dich Ursina aus dem Zwinger befreit hat. :-))
    E liebe Gruess Annemarie

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