Ich reise, wie viele  andere Tage auch, mit der S9 nach Luzern. Dort angekommen steige ich aus dem Zug aus und laufe Richtung Schurter.

Ich sehe in meinem peripheren Gesichtsfeld keine Gefahr und biege nach links ab, um den Bahnhof zu verlassen und zum Geschäft zu gehen. Unmittelbar nach dem Abbiegen knallt es und ich liege flach am Boden. Was nun folgt ist meiner Meinung nach eine dreiste Boshaftigkeit:

Ich bleibe mal einen Moment liegen und warte auf irgendeine Reaktion meinerseits. Zum Glück bleibt diese aus und ich lenke den Fokus wieder auf meine Umgebung.

Da höre ich den armen, im wahrsten Sinne des Wortes behinderten Rollstuhlfahrer, wie er irgendwas rumschreit. Wirklich behindert, weil er sich genau so verhält, wie die Rollstuhlfahrer meist nicht angesehen werden wollen: Als Behinderte.

Ich frage mich jedenfalls im Stillen: “WTF?!?” und probiere langsam wieder aufzustehen. Mir wird von vorbeigehenden Passanten auf die Beine geholfen und ich realisiere erst jetzt, dass der Rollstuhlfahrer die ganze Zeit auf mich einbrüllt. So Zeug wie: “Schau doch um Dich, bevor Du abbiegst!! Immer diese Leute mit den Kopfhörern im Ohr!!” Nun mischt sich einer der Passanten ein und sagt dem Rollstuhlfahrer er solle ein wenig runter kommen von seinem zu hohen Rollstuhlsitz. Er sei schliesslich in mich reingefahren und trage ja selber Kopfhörer. Ich bin dankbar, dass Personen da sind, die ihn ein wenig runterholen.

Ich sage zu dem armen, behinderten Rollstuhlfahrer gar nichts mehr, verzeihe ihm innerlich und wende mich zum Weitergehen ab. Ich bedanke mich bei der Person, die die ganze Situation ein wenig entschärft hat und gehe mit einigen Prellungen und Schürfungen zur Arbeit.

Was lernen wir aus diesem Vorfall? Die Behinderten (ich zähle mich auch zu dieser Menschengruppe) müssen sich schon selber auch ein bisschen in den Arsch klemmen und etwas zum gemeinsamen Zusammenleben beitragen und nicht die ganze Zeit immer nur fordern und den armen Menschen heraushängen.

Fazit der heutigen Erlebnisse: Carpe Diem! Entweder gemeinsam, oder aneinander vorbei…

Rollstuhlfahrer sind nicht behindert?

2 Gedanken zu „Rollstuhlfahrer sind nicht behindert?

  • Mittwoch, 2014-10-01 um
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    ausgezeichnet geschriebener Beitrag, auch Maa hat sich sehr gefreut, natürlich nicht an Deinem Sturz, sondern ob Deiner Reaktion und Gelassenheit.
    Ich glaube halt immer noch, dass an Dir ein Schriftsteller verloren gegangen ist.
    Bravo Markus

    Antworten
    • Mittwoch, 2014-10-01 um
      Permalink

      Lieber Mäk

      da schliesse ich mich gerne an Maas und Paas Meinung an. Einzig richtige Reaktion – natürlich ärgerlich, aber nützen tuts nicht viel, wenn dann noch rumgeschrien wird. Man weiss ja nie, wass diese Person grad für eine Nachricht erhalten hat oder evt. war einfach deine Nase zu krumm und er hat gedacht: “So, den fahr ich jetzt über den Haufen” :).

      Tröstend auch, dass es immer noch Kavaliere gibt, die für eine andere Person einstehen und helfen, soweit sie können.

      Dir – trotz bereits einmal Umgefahrenwerden – einen erfolgreichen Tag… der Vorteil vom Umgefahrenwerden ist ja, dass man anschl. wieder neu aufstehen darf und das ist doch auch ein gutes Gefühl… :)!

      Gruzli, dein Bruder Hannes

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