Ich wache auf und denke mir: ‘Schön hell draussen.’ Hell? Cool. Samstage und Sonntage sind super… Da kann man so lange ausschlafen und nichts und niemand kann mich aus der Ruhe bringen.’
Ein kurzer Blick auf den Wecker und BRAINFLAAAAAAASSSSSSSSHHHHHH!!!!!!! So schnell bin ich noch selten wach geworden. Die Weckfunktion ist ausgeschaltet. Hatten wir wiedermal einen Stromausfall in der Nacht oder warum läuft der der Wecker nicht mehr? Vielleicht habe ich Glück und es ist Samstag oder Sonntag. Schnell meinen Droiden starten, da der Wochentag nicht auf dem Wecker steht und PAPÄÄÄÄÄÄÄMMMM!!!!!!! Erneut: BRAINFLAAAAAAASSSSSSSSHHHHHH!!!!!!! Der Droide zeigt nach dem Start folgende sieben vernichtende Buchstaben an: F R E I T A G. Ganz schlicht und einfach. Freitag.
Sofort denke ich: ‘Hoffentlich nimmt es mir Hugh nicht allzu übel. Mein Quantum von verschlafen vor der Arbeit ist ausgeschöpft…’ Nun gut. Ändern kann ich es nicht mehr. Schnell unter die Dusche und dann ab zum Topas futtern. Danach wieder runter, Zähneputzen, Schuhe anziehen, Jacke nehmen und dann…
„Markus, freust Du Dich schon auf den Flug?“ ‘Flug’ schiesst es mir durch den Kopf, ‘wovon redet Mama denn da?’ Dann folgt das nächste BRAINFLAAAAAAASSSSSSSSHHHHHH!!!!!!! (auf die Dauer tut das meinem Gehirn wohl eher nicht so gut; zu hohe rekuperierte Voltageoverdrops hält der beste Kapazitator nicht aus…):
Ich darf heute ja an einem Rundflug teilnehmen. An einem Flug, den mir mein Firmgötti vor zwei Jahren auf meinen Geburtstag geschenkt hat. Plötzlich bin ich ganz aufgeregt und kann es kaum erwarten endlich nach Zürich an den Flughafen zu gehen und den Rundflug in Angriff zu nehmen.

Paa und ich fahren zusammen mit dem Zug zum Flughafen. Dort angekommen, beginnt einmal eine erste Odyssee auf der Suche nach unserem Flugzeug bzw. nach dem Bürogebäude wo wir uns melden müssen. Nachdem uns ein Zürcher mit relativ enervierter Laune mitgeteilt hat, dass er doch auch nicht wisse, wo das GAC (General Aviation Center) liege, welches wir suchen und ob wir nebenbei eigentlich ein Problem mit ihm haben, teile ich ihm schnell mit: „Alles in Ordnung. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag.“ Ich raune meinem Papa zu, nachdem der Zürcher ausser hörweite ist: „Blöder Wixxxxxxxxxxxxer!!“ Mein Papa lacht lauthals (vielleicht ein bisschen zu laut?!?) und wir verdrücken uns. Wir gelangen an einen freundlicheren Zürcher, welcher uns den Weg weist und wir treffen auf einen netten Herrn, welcher uns in Empfang nimmt und uns mitteilt, dass wir ihm folgen sollen.
Wir erhalten einen so genannten „LuftfrachtFÜHRERbeförderungsschein“, damit wir uns überhaupt auf internationalem Boden aufhalten dürfen:

Gesagt getan. Wir folgen dem Piloten durch den Security-Check, zeigen unsere IDs und gehen in klar zugewiesenen Bereichen zu einem kleinen vierplätzigen Piper. Der Pilot und Paa helfen mir mich in das Flugzeug zu setzen und steigen nachher auch ein. Plötzlich beginnt der Pilot viele Sachen auf einer Checkliste zu überprüfen. Dies indem er ein paar Hebel betätigt und währenddessen laut sagt „Fuellevel–CHECK“, um sicherzustellen, dass wir genug Kerosin bei uns haben oder auch nur „Seat belts–CHECK“ um zu unterstreichen, dass wir alle angeschnallt sind. Nach 4 Minuten „Checks“ startet er den Motor. Jetzt geht’s looooooos, denkt der MME und irrt sich. Nach dem Motorenstart folgen während weiteren Minuten weitere Checks. Diesmal mit anderen Begriffen, wie zum Beispiel: „Fuel pump–check“. Alles wir gecheckt. Und ich dachte mir die Chinesen sind kleinlich und pingelig.
Erneut höre ich aus dem Headset, wie der Pilot um Starterlaubnis bittet, diese erhält und wir auf die grosse Piste rollen um zu starten.

Ich gehe nochmals meine eigene Checkliste durch, welche genau aus einem ToDo besteht:
Pisseria besucht?
MME: Check
Nachdem die Fracht (mein Papa und ich) ordnungsgemäss verstaut und angezurrt ist, rollen wir los und bereits nach einer extrem kurzen Distanz hebt der Piper sanft in die Luft und ich hab wie immer, wenn ich meinen Jugendtraum als Passagier miterleben darf Schmetterlinge in meinem Bauch. Vielen Dank Boris für das tolle Geburtstagsgeschenk.

Der Pilot ist zu Beginn die ganze Zeit damit beschäftigt mit dem Tower irgendwas abzuklären.
Der Tower meldet sich und aus dem Funkgerät ertönt: „HOTEL–BRAVO-­PAPA–PAPA–HOTEL–FIVE–FIVE–TWO GO ON ALTITUDE THREE-ZERO-ZERO-ZERO FEET AND STAY THERE“. Diese kryptisch klingende Phrase ist unsere Flugnummer und anschliessend die relativ knappe Anweisung, auf 3’000 Fuss zu steigen und auf dieser Höhe weiterzufliegen. Die ersten acht Begriffe repräsentieren unsere Flugnummer. Sie lautet logischerweise HBPPH552. Mir fällt auf, dass nach einiger Zeit das HB weggelassen wird. Vermutlich um Zeit zu sparen.
Unser Pilot zieht also den Steuerknüppel langsam leicht nach hinten und wir steigen langsam höher und höher. Kurze Zeit später ertönt es aus dem Kopfhörer: „­PAPA–PAPA–HOTEL-FIVE–FIVE–TWO SLOW DOWN“. Der Pilot antwortet: „PAPA–PAPA–HOTEL-FIVE–FIVE–TWO ROGER“. Plötzlich hören wir ihn nicht mehr. Ich höre auch Paa nichts mehr sagen. ‘Strange’, denke ich mir, ‘ist jetzt mein Kopfhörer futsch oder was?’. Da plötzlich höre ich den Piloten wieder: „Sorry, war gerade ein bisschen viel, ich musste mich kurz ausklinken.“
Und das geht recht lange so weiter, bis wir ein bisschen weg vom Knäuel sind und wir fliegen dann direkt über unser Zuhause in Eschenbach gen Berner Alpen und geniessen phantastische Ausblicke auf die schönen Berge der Schweiz:

Stadt Luzern und Horw mit dem Luzernersee

Stadt Luzern und Horw mit dem Luzernersee

 

Blick auf die Engelhorngruppe und die Wetterhörner

Blick auf die Engelhorngruppe und die Wetterhörner

 

Eiger mit Nordwand und Mönch

Eiger mit Nordwand und Mönch

 

Viel zu früh dreht der Pilot ab und teilt uns mit, dass wir uns langsam aber sicher wieder auf den Rückweg machen müssen, weil wir sonst in Zürich nicht mehr landen könnten, weil keine Slots mehr zur Verfügung stehen. Wir fliegen also zurück und landen wie auf Watte auf der Piste in Zürich.
Überglücklich über das super Geschenk von meinem Firmgötti, begebe ich mich wieder in den Zug am Flughafen und trete gemeinsam mit Papa die Heimreise an.

klitzeklein andersartiger Freitag

5 Gedanken zu „klitzeklein andersartiger Freitag

  • Sonntag, 2016-03-20 um
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    Hei zMarki

    ich bin mehrmals in schallendem Gelächter usbroche. Es wiiters Meischterwerk wo sich in dReihe vo dine literarisch unterhaltsame Ergüss ireiht.

    Pheiti und bis zum Pizza ässe hüt abed.
    Paxlige pax pax
    Hänsel

    Antworten
    • Montag, 2016-03-21 um
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      Ogg lieber Broh

      Es freut mich, dass ich Dir den Tag mit meinem Text versüssen durfte.

      Bist ein cooler Broh.

      Bis bald

      Mac

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  • Montag, 2016-03-21 um
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    Hoi Markus, also “klitzeklein andersartiger Freitag ” – das ist ja schon ein bisschen untertrieben!!! Also für die ersten Abschnitte betreff verschlafen und so, würde das ja stimmen, aber was dann folgt mit diesem Rundflug und diesen Bildern, da ist ja genial. Super, was du da erleben durftest, freut mich für dich, und der super Bericht lässt einem grad mitfliegen. Gratuliere. Liebe Grüsse Annemarie

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    • Montag, 2016-03-21 um
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      Ciao Annemarie

      Vielen Dank für Deine lieben Worte. Es motiviert mich weiterzutexten, wenn ich solche Komplimente erhalte…

      Bliib gsond ond bes baud

      Mac

      Antworten

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