Ich darf heute meinen Papa an die Eröffnungsfestivitäten der neuen Eisenbahnalpentransversalen in Pollegio begleiten. Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind.

Wir fahren von Eschenbach nach Luzern und steigen dort in den normalen Zug nach Göschenen, durch den alten Gotthard nach Airolo und schliesslich zuletzt durch die schöne Leventina nach Pollegio. Im Zug frieren wir uns einen ab (wie immer auf der Fahrt ins Tessin) und werden dort von strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen empfangen.

Das warme Wetter macht mich durstig und ich gönne mir relativ rasch nach dem Aussteigen eine Erfrischung:

Durstiger MME

Da Papa an einem Stand der ATG die Fragen interessierter Besucher beantworten muss, mache ich mich alleine auf Entdeckungsreise. Ich schaue mir eine Präsentation nach der Anderen an. Es ist immer was los und es gibt nie nichts zu sehen.

Die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich meldet sich mein Magen. Nur ein kleines Knurren macht mich darauf aufmerksam, dass ich hungrig bin. Ich esse also etwas typisch dolce ticinesi:

Wurst und Käse

Kein Brot. Brot kann ich zuhause wieder essen. Als ich einem venditore salsiccia versuche in meinem gebrochenen Italienisch zu erklären, dass ich seine Wurst mit dem Käse direkt verspeisen möchte denkt dieser sich zuerst warscheinlich: “Oh, un stupidagino, questo mangare salsiccia con formeggio e senza pane! Ei viramento in grande stupidagino”

Ich bedanke mich bei ihm für seine vorzüglichen Spezialitäten und ziehe weiter an den nächsten Stand.

Dort kaufe ich…

Was wohl? So viel Fleisch macht durstig. Die Flasche ist im Nullkommanichts geleert und ich brauche dringend Nachschub. Woher nehmen?:

Leere Wasserflasche

 

Ich gehe zurück an den Stand von Papa in der Hoffnung, dass er etwas Flüssiges bei sich hat. Nichts… Ich mache mich nochmals auf und organisiere eine weitere Boutilla d’Acqua.

Papa ist nach wie vor damit beschäftigt, interessierten Besuchern die geologischen Probleme des Gotthardtunnels einigermassen verständlich rüberzubringen. Meist gelingt ihm das. Unter Anderem steht dort ein 1:50 Modell eines Bohrjumbos:

Bohrjumbomodell

Plötzlich sagt Papa zu mir: “Ech goo Ponkt vieri vo dem Stand wäg. Ech well schliesslich au no öbbis anders chönne mache.”

Gemeinsam schlendern wir um Punkt vier noch ein wenig durch das weit abgesteckte Areal wo immer noch Darbietungen abgehalten werden. Mit Papas Vorsatz, noch etwas zu sehen ist es nicht weit her, denn er hängt bereits de weich use. Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so unglücklich darüber, denn ich bin auch müde von all dem Tumult.

Paa konnte Spezialtickets für die Durchfahrt des neuen Gotthardtunnels besorgen:

Spezialticket

Wir dürfen in der ersten Klasse platz nehmen und fahren bereits in Pollegio ab. Nach ca. 10 Minuten fahrt, sagt mein Papa plötzlich zu mir: “Jetzt muesch doo usem Fenschter luege.”

Ich schaue also aus dem Fenster und denke mir: “Super, schön. Schwarz. Cool! Wirkl…”. Dann plötzlich kann ich eine Röhre erkennen, die von unserem Gleis abzweigt und in die MFS Sedrun mündet.

So schnell wie die Lichter erscheinen, verschwinden sie auch schon wieder und ich geniesse die kurzweilige Weiterfahrt bis ans Ende des Tunnels.

Dort angekommen, kommt der Schaffner und will unsere Tickets sehen. Ich kann ihn ohne grosse Probleme davon überzeugen, dass heute ja ein spezieller Tag sei und wir eigentlich gerne in der ersten Klasse verweilen würden. Gesagt getan. Der Schaffner sagt uns wir sollen die Fahrt geniessen…

Ein wunderbarer Tag geht zu Ende mit vielen Impressionen. Vielen Dank Papa für dieses super Geschenk.

Gotthard – ein Mythos?

2 Gedanken zu „Gotthard – ein Mythos?

  • Mittwoch, 2016-06-15 um
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    Ciao Mac

    Kompliment, endlich ein Beitrag, ohne meinen Namen zu nennen. Und siehe da, der Beitrag ist informativ, interessant und gelungen. Ob das Zufall ist?

    Ich kann dich nur ermutigen, in Zukunft öfters solche Beiträge zu machen und bin froh, dass du trotz Foto von der Wurst und vom “Riesen-Bohrer” den Link zu “Fifty Shades of Grey” erst zwei Beiträge später gemacht hast 😉

    Bravo!!!

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    • Montag, 2016-06-20 um
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      Zu spät…

      Lieber Dani

      Ich kommentiere diesen Kommentar genau aus einem Grund:

      Du hättest mir als Erstes mitteilen sollen, dass ich 50 Shades nicht in meine vorherigen Beitrage einfliessen lassen dürfte (hätte gesollt machen tun). Jetzt hast Du den ganzen Lesefluss all meiner treuen Leserschaft zunichte gemacht. Super gemacht. Wirklich spitze! Jetzt foods langsam weder afo wehtue!!!

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