Klavierkonzert KKL

Heute darf ich mir gemeinsam mit Hansi, Maria, Mama und Papa eine super Pianistin im KKL anhören.

Gespannt warte ich auf meinem Sitz, bis das Konzert beginnt. Erstaunt stelle ich fest, dass da gar kein Piano steht… Hmmm denke ich. Auf dem Zettel steht Ravel Pianokonzert und ich entdecke da tatsächlich einen Flügel. Mit Spannung schaue ich wie die Musikanten des LSO auf die Bühne treten. Sie tun dies um welten mutiger und selbstbewusster als der Kirchenchor Eschenbach beim Auftritt: “Rock, Pop ond meh“…
Als die gesamte Besatzung auf der Bühne steht, wundere ich mich, wie klein und verloren das Orchester wirkt.
Da ich vorher keinen Blick auf das Programmheft geworfen habe, kann ich natürlich nicht wissen, dass das Konzert mit Leonard Bernsteins “Prelude, Fugue and Riffs” beginnt.
Nun gut… Geben wir den Musikern eine Chance…
Sie beginnen in absoluter Stille mit ein paar extrem leisen Tönen. Sofort denke ich mir: “Ohhh neiiiiiiiiin! Mein Alptraum bewahrheitet sich… Das fetzt überhaupt nicht. Ich WUSSTE es doch!”
Kurze Zeit später stelle ich erfreut fest, dass ich einmal mehr viel zu früh viel zu voreilig falsche Schlüsse ziehe. Denn das Bernsteins “Pianissississtimi” mündet innert weniger Takte in einem fetzigen, jazzig (denn sie jazzen ungemein ;-)) angehauchten Werk.
Bühnenbildwechsel. Ein überlang wirkender Steinway wird behutsam auf die Bühne gerollt. Ach hier ist das versprochene Piano, denke ich mir. Kaum fertiggedacht, erscheint auch die verprochene Starpianistin Martha Argerich. Erstaunt betrachte ich ihre wilde silbergraue Mähne und bewundere ihr graziöses auftreten. “Zapristi”, denke ich mir. Das wird super…
Meine Vorfreude bewahrheitet sich und Martha lässt uns das gesamte Spektrum der Klavierkunst hautnah miterleben. Gänsehaut überzieht meine Haut während eines weiteren perfekt getimten Übergangs von einem kurzen Pianissimo in ein Sfortissimo. Wenn Martha auf der Bühne am Klavier sitzt, wird der ganze Konzertsaal mit einer Aura der Ruhe und Perfektion überströmt. Allerdings sind die Passagen der Ruhe und Gemächlichkeit viel zu lang und das Ganze wird sehr schwerfällig und zieht das Werk unnötig in die Länge. Zum Schluss folgt nochmals eine Passage der Superlative! Martha tippt die Tasten der Klaviatur in einem Tempo an, wie ich es noch nie gesehen habe. Mit gefühlten 300 BPS schliesst sie ihre Darbietung ab und das Publikum gratuliert mit einem minutenlangen Applaus. Sie setzt sich nochmals ans Klavier und setzt noch einmal nach. Nun sind es bereits, erneut gefühlte, 400 BPS und sie leitet über in ein Finale der absoluten Superlative:

Nach Martha kann eigentlich nichts Besseres mehr folgen… Mit diesem Gedanken in meinem Kopf steht der Rest (in diesem speziellen Fall verstehe ich unter “Rest” Maa, Paa, Hansi und Maria) auf und begibt sich in die Pause.
Der zweite Teil ist rasch beschrieben. Im Grossen und Ganzen wirkt er eher lasch. Die ersten vier Bestandteile von Bartók’s Werk hören sich repetativ und eher langweilig an. Der letzte Satz kann die vorgängigen Sätze leider nicht egalisieren. Ich kenne das LSO anders. Bereits stelle ich mich darauf ein, dass das Konzert in diesem Stil enden wird. Doch zum Glück überraschen uns die Musikanten doch noch mit einem fulminanten letzten 5. Satz.
Meine persönliche Quintessenz : Der erster Teil war absolut phantastisch und der zweite Teil hätte man in zwei Sätzen zusammenfassen müssen. Ein Konglomerat der Sätze 1-4 mit der Länge von einem Satz und zum Schluss ein rasches Finale mit dem 5.Satz…

Cooli Musig im KKL

Ein Gedanke zu „Cooli Musig im KKL

  • Montag, 2016-10-24 um
    Permalink

    Sie hackt wie MME auf seine Tastatur!!!!!!! ☺

    Antworten

Dein Kommentar:

Zurück