Mein Bruder Bruder Andreas feiert ein weiteres wichtiges Fest auf seinem Weg zum Priestertum. Er legt sein ewiges Versprechen vor Jesus Christus ab. Für mich ist das wie eine Verlobung. Die Vorstufe der Heirat mit Jesus Christus, welche ich in der Priesterweihe sehe. Ich versuche dieses Gedankenspiel zu untermauern, werde dann relativ schnell eines Besseren belehrt und mir wird mitgeteilt, dass es genau aus diesem Grund “Ewige Gelübde” heisse, weil sich Bruder momentan noch Bruder Bruder Andreas ja “EWIG” mit Jesus Christus und Gott bindet. Ich nehme noch einmal einen Anlauf, meine These mit weiteren Argumenten zu untermauern, so à là: eine Verlobung kann man ja eigentlich auch als Vorstufe zur Ehe anschauen und Bruder Bruder Andreas sei noch nicht ganz mit Gott verheiratet und so…

Ich werde relativ heftig vom Rest der Familie in die Schranken gewiesen und es wird mir geraten, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, besser nichts mehr zu diesem Thema zu sagen.

Gesagt getan. Ich schweige.

@Dani: Ich spezifiziere: NUR und ich wiederhole: WIRKLICH NUR zu diesem Thema! Du musst Dir also keine Hoffnungen machen, wegen allfälliger Ruhe am Dienstag im Geschäft, gell…

Wir feiern einen kurzweiligen, eindrücklichen Gottesdienst in der vollen Kirche St. Oswald. Die  Anrufung aller Heiligen, die im Normalfall recht langwierig und kräftezehrend ist, wird mit Gesang und Musik sehr spannend gestaltet und verläuft extrem kurzweilig.

Nun folgt der wichtigste Teil dieser Messe für meinen Bruder Bruder. Er tritt an den Altar und verspricht ein weiteres Mal nach den Thesen der ewigen Gelübte (Armut, ehelose Keuschheit und Gehorsam) sein zukünftiges Leben zu leben. Er bezeugt dies mit dem Verzehr des Brotes des Lebens und dem Trinken des Blutes des Lebens (symbolisiert durch einen guten Amarone della Valpolicella).

Ich freue mich mit all den Menschen (Onkeln, Cousins, Schulfreunden aus Disentis, vielen Zugern, vietnamesischen, chinesischen, italienischen, französischen und weiteren Ordensschwestern und -brüdern) und natürlich mit der Hauptperson des heutigen Tages Bruder Bruder Andreas, der nun “Frère Andreas du coeur immaculé de Sainte Marie” heisst.

Wir feiern noch bis in die späte Abendstunde. Langsam meldet sich bei mir die Müdigkeit. Nicht nur bei mir… Auch die Anderen sehnen sich nach ein wenig Schlaf. Wir machen uns auf den Weg ins traute Heim und ich freue mich auf mein Bett.

 

Ewige Gelübde

6 Gedanken zu „Ewige Gelübde

  • Dienstag, 2016-12-06 um
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    Es war eine wunderschöne Feier. Und schön war, Euch alle mal wie
    der zu sehen.

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  • Dienstag, 2016-12-06 um
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    Liebes Bruderherz,
    bei diesem Blogeintrag muss ich ja geradezu Stellung nehmen.
    Zu allererst ganz herzlichen Dank euch allen, für die eindrückliche Feier. Es war wirklich ein gesegneter Moment, bei dem ich mich sehr gut aufgehoben fühlte zwischen den Händen Gottes und umgeben von meiner Familie, der Gemeinschaft, Freunden und Bekannten. Ich war sehr erstaunt, wie viele Leute zur Feier kamen, solche auch, die ich zum Teil überhaupt nicht erwartet habe.
    Was deine Theorie von der Heirat anbelangt, so habe ich mir gedacht, einige Klärungen reinzubringen, da du nämlich nicht der einzige bist, der da einige Schwierigkeiten hat, die Dinge gut auseinanderzuhalten.
    Um es ganz einfach zu sagen (wirklich sehr einfach, denn alles Gute kommt natürlich aus Gott, auch die freie Entscheidung mich in den Gelübden ganz an Gott zu binden):
    – die Gelübde finden ihren Ursprung in meiner freien Entscheidung auf das Wirken Gottes, welches ich in meinem Leben erfahren durfte, zu antworten. Es geht also aus meiner Initative hervor. Dies kommt in der Liturgie so zur Geltung, dass ich selber nach vorne trete, ohne augerufen zu werden und dann die Gelübde ablege.
    Die zeitlichen Gelübde können in einem gewissen Sinne als Verlobung angeschaut werden, wohingegen die ewigen Gelübde die Heirat mit der Kirche und mit Gott darstellen. Vom kirklichen Recht her, bin ich noch immer ein Laie, habe also dieselbe Stellung wie du, oder wie unsere Eltern.

    – das Priestertum findet seinen Ursprung im Ruf Gottes, welcher an mich erging. Es geht also aus der Initiative Gottes hervor. Dies wird dadurch symbolisiert, dass bei einer Priesterweihe die Kirche den Kandidaten beim Namen ruft (Gott ruft durch die Kirche den Kandidaten). Bei der Priesterweihe bekommt der zukünftige Priester einen ontologischen Charakter, das heisst er erhält wie einen Stempfel auf die Seele, welcher nie mehr weggenommen werden kann. Deshalb ist man Priester auf ewig. Vom kirlichen Recht her ist man nicht mehr Laie, sondern gehört dem Klerus zu. Dieser hat andere Rechte und Pflichten…
    bon, falls es dich interessiert, so können wir ja mal ausgiebiger darüber plaudern.

    Auf jeden Fall nur das Beste und hebs guet
    Br. Andreas du Coeur Immaculé de Marie, cb

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    • Sonntag, 2016-12-11 um
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      Lieber Bruder Andreas

      Vielen herzlichen Dank für diese ausführlichen Erklärungen. Jetzt ist alles klar… Halt so einfach ist das nun auch wieder nicht…

      Du sagst im ersten Punkt…

      Ok, ich gebs zu… Ich hab ein Durcheinander gemacht mit ewig, zeitlich und Priestertum und was weiss ich. Ich hätte besser auf Mama hören sollen und solche Dinge einfach den Profis überlassen…

      Dario würde jetzt sagen: “Weissssss, es is chomplex!”. Und da hat er recht…

      Es war ein super Fest und ich danke Gott, dass wir so ein schönes Fest zusammen geniessen durften…

      Ich werde bei Deiner “Gottes-Stempelung” sicherlich nochmals auf diesen Beitrag rückverweisen…

      Vielen Dank nochmals für alles und eine gute Zeit…

      Broofbrobro

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  • Dienstag, 2016-12-06 um
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    Liebe “Brüder” Markus und Andreas
    vielen Dank für eure Beiträge – Markus – für deine Gedankenspielereien, natürlich wieder in einer sehr schönen und spannenden Sprache verfasst und Andreas – für deine guten Erklärungen, die ich nun ausdrucke, damit ich die Fragen meiner Leute auch richtig beantworten kann!!!!
    Ja, wirklich, es war ein wunderschönes Fest, eine Freude, diesen wichtigen Schritt mit dir Andreas feiern zu dürfen und es war eindrücklich, so viele – ja so viele junge Leute so glücklich und zufrieden zu sehen.
    Ich wünsche euch beiden an euren Wirkungsorten nur das Beste.

    Hend e friedvolli Adventsziit.
    Liebi Grüess
    Ammarie

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  • Dienstag, 2016-12-06 um
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    Palüüü Mek

    Da laust mich der Affe… (nein, ich meine damit nicht dich!)
    Selbst bei einem Blog-Eintrag mit religiösem Inhalt kommt mein Name vor… Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet!

    In der Tat habe ich beim durchlesen genau dies gedacht: “Nein, das glaube ich nicht, Markus will schweigen?? Kann ich nicht glauben!!”
    Danke für die weitere Erläuterung, dass du zu einem Thema nichts mehr dazu sagen kannst kann ich knapp glauben, wenn auch nur schwer 😉

    Den restlichen Beitrag habe ich interessiert gelesen und in der Tat einige Parallelen zu meinem Leben gefunden. So habe ich schon informelle Gelübde abgelegt, wenn auch nicht für die Ewigkeit (gut, es kam mir zum Teil wie eine Ewigkeit vor…). Weiter habe ich dies schon öfters mit “Brot” und “Blut” des Lebens besiegelt, wobei ich das besiegeln mit dem “Blut” öfters bekräftigt habe.

    Betreffend deiner These mit der Heirat ist mir in Zusammenhang mit des Bruder Bruders Erklärung sofort aufgefallen:
    – Das Gelübde ist eher mit der “weltlichen Partnerschaft” zu vergleichen. Schliesslich ist diese unformell und geschieht auf freien Stücken, man wird nicht dazu aufgerufen.
    – Das Priestertum ist meiner Meinung nach sehr eng mit der “weltlichen Ehe” verwandt. Der freie Mann wird dazu aufgerufen und ist danach “Ehemann” mit besonderen Pflichten… ok, sämtliche Rechte tritt man ab, was beim Priestertum wohl anders ist 🙂

    Auf jeden Fall freue ich mich für Bruder Bruder Andreas, dass ein weiterer Meilenstein erreicht ist. Viel Glück auf deinem weiteren Weg.

    Gruss

    Dani

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    • Montag, 2016-12-12 um
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      Lieber Tani

      Jetzt siehst Du es Mal. Ich bin immer wieder zu haben für Überraschungen. Ich bringe es sogar fertig, dass SePätsch von einem Affen gelaust wird. Das soll mir mal einer nachmachen ;-). Spass beiseite.

      Mich freut es natürlich sehr, dass ich den Se einmal so weit gebracht habe, dass er “nicht mehr so viel sagt”. Das kommt ja selten vor 😎 …

      Was die Theorie mit der “Ehe” anbelangt, kann ich Dir höchstwahrscheinlich keine gute Antwort liefern, obwohl Deine Theorie auch plausibel klingt. Ich kann ja mal Bruder Bruder fragen, ob er sich Dir lieber Se nochmals annimmt. Ich kenne meinen Bruder relativ gut, bin mir einfach nicht sicher, ob er genügend Zeit hat für einen so komplexen Fall, wie Du einer bist. Denke es nicht…
      Also lieber Bruder Andreas: Ich rate Dir, für den Anfang ein anderes verlorenes Schaf zuzulegen. Nicht den Se. Der ist im wahrsten Sinne des Wortes “hoffnungslos”…
      Rälüüü

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