Ich nehme an einer weiteren Fragile-GV teil und treffe dort auf viele bekannte Gesichter. Mehrere Mitglieder aus dem Organisationskomitee demissionieren und werden teilweise noch nicht neu besetzt, wegen Freiwilligenmangel… Eine Person möchte ich speziell erwähnen:
Schwester Tabita tritt das Amt der Aktuarin ab. Die Protokolle der Sitzungen waren vor ihr stets mit einer Hingabe und in bildlicher Art und Weise verfasst… Einfach legendär. Ob sich ein Nachfolger finden liess habe ich jetzt, wie könnte es auch anders sein, vergessen…


Nach dem offiziellen Teil dürfen wir uns aus einem gewaltigen Suppentopf mit feinster Fleischsuppe bedienen. Wir mampfen und mampfen und mampfen.

Fragile-GV mampfen

Plötzlich ruft es aus der Menge: “Heds no Soppe?!? Ha no honger!” Ein schmächtiger Teilnehmer erkundigt sich auf relativ forsche Art und Weise darüber, ob er jetzt wirklich hungrig nach Hause gehen müsse, oder ob er doch noch ein wenig Speise erhalte. Der Küchenverantwortliche beschwichtigt: “Wir haben nochmals einen vollständig gefüllten Topf für euch bereitgestellt…” Nun gut… Also nüchtern geht heute Abend garantiert niemand nach Hause… Einige interessante Gespräche später löst sich die Gesellschaft erstaunlich schnell auf und ich nehme das Projekt “Heimreise” in Angriff…

Das ist auch so ne Sache! MME-typisch mache ich mich um 21:58 Uhr auf den Weg zum Bahnhof Luzern… Natürlich ist mir die Uhrzeit zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Ich schlendere also gemütlich die paar Meter vom Barfüsser Richtung Bahnhof und… Jetzt ist klar was kommt, oder? Korrekt: ZAPRISTI! Es ist 22:02 und ich sehe gerade noch die Schlusslichter “meines” Zuges…

Ich denke mir: ‘Esch jo weder typisch MME…’ und setze mich mal hin um die nächste Verbindung rauszusuchen. Logisch… Oder? Zu dieser späten Zeit fahren die Züge nur noch stündlich. Ich wechsle das Gleis, stöpsle mir die Musikstöpsel rein und stelle mich auf eine laaange Wartestunde ein. Doch dann sehe ich, wie sich eine Frau enerviert auf die gleiche Bank setzt wie ich…

Das ist die Gelegenheit, die lange Wartezeit ein wenig kürzer zu gestalten… Und wie sich die Wartezeit verkürzt. Ich beginne ein Gespräch mit ihr. Ich nenne die Person mal “Ria”. Ich nehme an, der Grund weshalb ich einen Spitznamen gebrauche ist sonnenklar, oder?

Nach einem gegenseitigen kurzen Mustern resp. Analysieren reden wir über Dies und Das. Als ich sie das fünfte Mal innert 2 Minuten nach ihrem Namen frage, sieht sie mich konsterniert an und sagt:
“Du verarschisch mech doch! Mer send do ned im Föum: 50 first dates” im gleichen Atemzug entschuldigt sie sich wieder bei mir für den Witz. Zu ihrer Verteidigung fügt sie noch hinzu:
“Du besch eigentlech ein Dräcksack! Es get wörklech Mönsche, wo a ähnleche Symptom lided und Du verarschisch die gnadenlos!”
Ich: “Eigentlech verarsch ech Dech need…”
Ria: “Tscholdigong för mis taktlose Ufträtte. Ha ned gwösst, dasses wörkli so schlemm…”
Ich: “Ech mach nor Spass. Ech mach nor Spass. Ech ha Dech verarscht!”
Ria, nach Luft schnappend: “Du ech glaube ehrlich, Du besch tatsächlech ne potzt.”
Ich: “Doo hesch etz vollkomme rächt. Jetzt aber wörklech im Ärnscht: Dassi ab und zue öbbis vergesse, esch en Taatsach…”
Ich liefere ihr eine UKZ (Ultrakurzzusammenfassung) meiner Geschichte und Ria erzählt mir, sie habe eine Ausbildung in Psychologie oder so abgeschlossen. Ich teile ihr kurz und knapp mit: “Das hani mehr etz fasch no dänkt, wöu…”
Da fällt sie mir ins Wort und sagt recht enerviert: “Emmer die Dräcksvorurteil… Worom wärdid d’Mönsche emmer uf ehri Brüef reduziert? Wieso gseht de Gspröchspartner ne d’PERSÖNLICHKEIT, resp. de MÖNSCH im Gegenüber?”
Ich: “Gsesch… Genau dertigi Uusage löhnt mech zom Schloss choo, dass Du brueflech ergendöbbis i die Rechtig machsch”
Sie: “Du hesch tatsächlech ergendwo en Schruube locker.”
Ich denke mir nur um den eben erlangten Frieden nicht zu gefährden:
‘Do könni no mindeschtens ei wiiteri Person, wo gliicher Meinig esch, wie Du…’
Wir erzählen einander noch ein wenig von unseren Leben und der Zug fährt ein.
Ria schaut ungläubig auf ihre Uhr und meint: “Esch bereits so vöu Ziit vergange? Hätt ne dänkt, dass es so onderhautsaam cha sii, en Stond of e Zoog z’warte”

Ich sage ihr auf meine direkte Art ud Weise: “Gesch mer no Dini Nommere, de chömmer morn Wazzzzzupppe”
Dann sie: “Njaein! Ech glaube ech cha Der mini Nommere ne gää” Irgendwie kommt mir instantan ein Austauschschüler aus Tschechien in den Sinn, den wir mal gehostet haben. Halt Abschweifer. Andere Geschichte. Nun gut: Wir sind in Waldibrücke und die gute Frau weiss nicht, ob sie mir ihre Nummer geben will oder nicht. Jetzt habe ich noch knappe 4 Minuten bis E’bach sie zu überreden. Nach 30 Sekunden hat sie mir auf äusserst plausibele Art und Weise erklärt, warum sie mir ihre Nummer lieber nicht geben will. Ich schlage noch vor, dass ich ihr meine Nummer geben könne, denn nach so einem genialen Gespräch einfach getrennte Wege zu gehen… Das kanns doch auch nicht sein… Ich habe keine Ahnung was sie denkt. Wahrscheinlich so was wie: ‘Söll ech sini Nommere nää oder ne?’
Der Zug bremst, ich erhebe mich, sie sagt: “Nää. mer löhnt das so em Ruum lo stoh ond wenns söu sii, de gsänd mer üüs nomou. Ergendwie, ergendwenn ond ergendwo.”
Ich verlasse auf eine gewisse Art und Weise glücklich den Zug, warte bis er abgefahren ist, drehe mich um Richtung Zugfenster, frage mich: ‘Werd si mir zuewinke noch dere chorzwiilige, interessante, höchstwahrscheinlich einmalige Begägnig?’
Die Sicherheitsverriegelung der Tür schliesst ab, der Zug rauscht los. Ich schaue in ‘unser’ Fenster und erkenne mit einem grossen Glücksfühl, wie sie mir zuwinkt und höchstwahrscheinlich für immer aus meinem Leben fährt…

Fragile-GV

Ein Gedanke zu „Fragile-GV

  • Mittwoch, 2017-03-29 um
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    Lieber Mac
    leider finde ich keine Adresse von dir, darum gratuliere ich dir auf diesem Weg von HERZEN zu deinem Geburtstag!
    HÄPI BÖRSDEI, LIEBER MAC!!!!
    Ich habe gestern fest an dich gedacht und an viele unserer gemeinsamen Erlebnisse!
    Und ich hoffe sehr, dass es dir gut geht, und deiner ganzen Family!

    Aus der Ferne grüsse und drücke ich dich herzlich,
    Rönate

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