Aufgrund meines fleissigen Chorprobenbesuchs, erhalte ich die Möglichkeit, an einem FCPB-E (Fleissige-Chorprobenbesucher-Event) teilzunehmen.
Ich freue mich darauf, denn das wird wie jedes Jahr ein super Gaudi. Doch, die Freude ist von kurzer Dauer…

Wir werden uns nämlich tatsächlich einen Jodelchor anhören gehen. JODELN! Das gibts nicht! Als Alternative wäre die Messa di Gloria von Giaccomo Pucchini zur Auswahl gestanden.Die Frauen entscheiden einfach so. Ohne mich zu fragen, ob ich damit einverstanden bin für… Trommelwirbel: Hurra, der Kandidat hat 101 Punkt: JODELN!
Der MME, der Startenor schlechthin, wird nicht gefragt. Es wird einfach entschieden. Ich versuche… JODEL!!!! Ich kann es immer noch nicht fassen. Ein Glück, dass ich ab und zu eine Kleinigkeit vergesse. So musste ich mir die letzten 14 Tage keine Gedanken darüber machen, wie ich den heutigen Tag am Besten aushalte. Allenfalls nehme ich heimlich meine eigene “cooli Musig” mit und kann mir dann die reinstöpseln, wenn es mir zu urchig wird, was ich schwer annehme.

Die Frauenzimmer raten mir ein wenig offener zu sein und ich solle doch ein bisschen Inkulturation machen. Mer läbed jo schliesslech i de Schwiiiz, uodr? De cha me sech doch mou en Jodu go alose, uodr? Und sowieso… Es werd gar ned so viel gjodlet, uodr? Gut soviel zu meinem Hang zum Patriotismus…

Ich werde abgeholt und wir fahren los ins Soorsergebiet, genauer zur Pfarrkirche in Buttisholz. Dort angekommen setzen wir uns ins Kreuz und geniessen ein leichtes Mahl, damit wir nachher genug Energie für den musikalischen Teil des Abends zur Verfügung haben. Nach dem Essen betreten wir die Kirche und ich setze mich ohne grosse Erwartungen in die Kirchenbank…

Auftritt KCB (Kirchenchor Buttisholz).
Das Intro haut mich wirklich nicht vom Hocker und ich befürchte Schlimmes… Doch halt… Was ist das? Das zweite Stück… Da höre ich doch eine bekannte Melodie heraus: Schuberts “Ave Maria”… Langsam beginnt es doch recht “oordeli” zu klingen. MME, Du bist ein Trottel. Bätschrt: Ich nutze das M-Wort bewusst nicht, weil dann zu viele Rückfragen auftreten könnten und ich einen Eklat verhindern möchte…

Es folgen verschiedene Leckerbissen querbeet von Volksliedern über Solojodelgesänge bis hin zu der viersprachigen Schweiz. Das alles in einem zügigen Tempo, so dass gar nicht erst daran gedacht werden könnte, dass jetzt da ab und zu ein kleiner Jodel eingeschoben würde. Der Chor bietet ein breites Repertoire an Liedern, von welchen mir die Wenigsten ein Begriff sind. Durch die Variation zwischen Chor-, Solo- und Instrumentalmusik wirkt alles sehr kompakt und in sich stimmig. Mir fehlt schlicht die Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, ob jetzt jodeln toll ist oder nicht. Ich glaube die Antwort ist naheligend… Wenn irgendwo “Jodel” draufsteht ist nicht gezwungenermassen “Jodel” drin.

Auch die Chorbesatzung ist kunterbunt, von alt bis jung. Fast beginne ich mich zu fragen, ob ich nicht den Chor wechseln soll… Ratet mal, was der Grund dafür sein könnte:

 

Kirchenchor Buttisholz

Kirchenchor Buttisholz

Gegen Ende wills der KCB nun wissen. Wir kommen noch in den Genuss eines kleinen Jodelraps. Ja, ich glaube mir selbst fast nicht… Du bildest Dir doch was ein MME. Steht da tatsächlich “Rap“? Was soll das? Rap und Jodel… Ein absolutes No-Go…
Dann hört selbst hin:

Der Brüller… Wie dieser Alphornbläser da rappt… Total unerwartet.

Zu guter Letzt gehen wir noch in ein Café und gönnen uns eine Erfrischung. Wir diskutieren noch ein wenig über das Gehörte und ich muss mich sicher 20 Mal dafür entschuldigen, dass ich zu Beginn nicht wirklich begeistert war vom Plan, ein Jodelprogramm anzuhören.  Allerdings hat der heutige Tag meine Sichtweise auf Jodeln nur bedingt verändert. Was ich heute gelernt habe ist zum einen, dass Jodeln nicht immer Jodeln ist und Jodlerinnen nicht gezwungenermassen alt und schrumpelig sein müssen, sondern sehr wohl auch jugendlich und attraktiv.

Matter, Horn & Chor

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