Mit meinem Papa, meinem Bruder Hansi, dessen Angebeteten Märie, deren Schwester Steffi, Koni, Konis Angebetete Gaby und einem weiteren Ehepaar besuche ich ein Klavierrezital im KKL in Luzern. Voreingenommen wie ich bin, hält sich die Freude in Grenzen, denn Rezitale gehören nicht zu meinem präferierten Cooli-Musig-Repertoire.

Wie immer wenn MME voreingenommen ist, wird er eines besseren belehrt. Nach kurzer Zeit bietet uns der russische Pianist Daniil Trifonov mit seinen zarten 26 Jahren nämlich einen sensationellen Hörgenuss.

Er verzaubert uns mit vielen schönen Elementen, darunter Tempovariationen und dynamische Kombinationen sondergleichen. Er fesselt den Zuhörer mit vielen unerwarteten Komponenten. Er nutzt sehr viele, ich nenne sie mal “Intertöne”, weil er die Taste nicht genau zum erwarteten Zeitpunkt drückt, sondern mit einer ganz minimalen Zeitdifferenz von ein paar Hundertstelsekunden. Das gibt den Werken von Mompou, Schumann, Grieg, Barber, Tschaikowsky, Rachmaninow alles Variationen von Chopin, einen komplett eigenartigen, uniquen Klang.
Trifonov spielt minutenlang nur mit einer Hand und zaubert leise, liebliche, ewig anmutende Töne aus dem Flügel, um dann innert Millisekunden mit einer Energie das Pianissimo gezielt in ein Sfortissimo umzuwandeln, sodass im Anschluss der ganze Saal wie gebannt auf den Pianisten schaut und sich fragt, mit was er uns wohl als nächstes überrascht.

In der Pause sage ich zu einer wildfremden Zuhörerin, wie schön der Adventskalender dort in den Fenstern des Schweizerhofs doch gestaltet sei. Schon so viele beleuchtete Fenster sind dort zu sehen. Sie schaut mich an, als ob ich vom Planeten Beteigeuze Fünf oder Sieben sei. Dann fällt der berühmte Groschn:
Am 24. NOVEMBER (VIIIEEEREEEZWÄNZIGSCHTE NOVEMBER, NEI, JETZT ESCH ERSCHT NOOVEMBER, VIEREZWÄNG!!!) ist noch kein einziges Türchen des Adventskalenders geöffnet:

KKL Dachterrasse

 

Auch der zweite Teil des Konzerts ist ein Ohrenschmaus. Wie im ersten Teil präsentiert uns Trifonov eine abwechslungsreiche Darbietung mit vielen schön gestalteten Musikeffekten.

An einer Stelle schaue ich meinen Bruder Hansi an und flüstere ihm zu: “Da chond mer extrem bekannt vor, daaa”
Hansi: “Mer irgendwie au.”
Ich: “Das esch doch useme Ballergame of em aute N64 oder Compispeel. De Sound wo ertöönt, wenn mer chabott good!”
Hansi: “Genau! Weiss nömme i wellem!”
Ich: “Eschs ned im Speel…”
Paa: “Sooooo RUEH JETZT! Ech wott lose, hmpfnäähhh”
Hansi und ich flüstern im Duett: “TSCHIIILSS”

Wir geniessen noch einige weitere Stücke dieses aussergewöhnlichen Pianisten. Nach minutenlangem Applaus begeben wir uns in den Eingangsbereich des KKL um im Restaurant noch einen Schlummertrunk zu uns zu nehmen.

Anschliessend verabschieden wir Koni und Anhang und begeben uns auf die S9 nach Hause. Im Zug treffen wir eine recht lustige Gruppe “älterer” Damen. Auf alten Pfannen lernst Du kochen, MME! Und los geht die Flirterei. Nach einigen Komplimenten und Lobhudeleien auf dass das Alter weise macht und man ja selber auch bald ins Langzeitarchiv komme, stellen wir fest, dass die Damen im Kirchenchor Baubu sind und ihr Kirchenchor noch Tenöre bräuchten. Auf die rhetorische Frage weshalb sie denn noch Tenöre benötigten, meinen diese nur knapp: “Wir haben nur Tenösen, bei uns im Chor. Die Stimmen tönen einfach in dieser Lage bei Frauen niemals gleichwertig”

Wir haben während der Fahrt von Luzern nach Eschenbach nebst dem ernsten Thema, für welches wir die letzten 3 Minuten von Waldibrücke bis Eschenbach benötigt haben, nur rumgebrüllt wie bekloppt und den ganzen Zug unterhalten. Viele werden sich wahrscheinlich gefragt haben: “WTF?”
Für mich hingegen vergeht die Zugsfahrt wie im Nu und diese 15 Minuten Zugfahrt bereiten uns beinahe gleich viel Spass wie das Klavierkonzert selber. Ich sage bewusst “beinahe”, weil das KlaKo uns über 105 Minuten und somit gemäss Adam Riese doch ganze 7 Mal mehr Freude bereitet hat, als die Zugfahrt.

Ich teile den Tenösen noch mit, dass ich mal ihre HP vom Chor besuchen werde und mal schauen werde. Gesagt, getan. Zuhause erinnere ich mich wieder (doch SeSeseseeeeeeseseeesssssseee): Ich hab mal an einem Projekt ausgeholfen im Chor in Baubu.

Mal schauen, ob ich dort nochmal aushelfen gehe…

Lucerne Piano Festival

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