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In der Früh ziehe ich “meine” Wanderschuhe an und fahre mit dem Zug nach? Nein, ich fahre nicht zur Arbeit, sondern geniesse eine Quasiferienwoche. Dies, weil ich ja den Mittwoch eh frei hab und sich die Osterfeierlichkeiten geradezu anerbieten, Brücke zu machen. Zwei Tage Ferien für den Gegenwert von sieben Tagen inklusive Wochenende. Da sage ich nicht nein!

Zurück zur Wanderung: Die Antwort auf die Frage nach dem Ziel der Zugfahrt: Arth.

A propos Arth. Irgendwie ab-arth-ig diese Wanderschuhe. Paa wird schon gewusst haben, was er tut, als er mir diese bereitgelegt hat. Nach dem Anziehen hoffe ich dies zumindest.

Von Arth-Goldau nehme ich wie quasi jedesmal die ZRB bis zum Staffel.

Dort treffe ich auf Papa und wir nehmen den beschwerlichen und gefährlichen Aufstieg vom Staffel bis zum Kulm in Angriff.

Ein bisschen Sarkasmus darf doch sein, nicht wahr?

Oben angekommen teile ich Papa mit: “Das send prottaaaali Wanderschueh imfau! Mega guete halt ond öberhaupt chäs siitliches Abknicke vom Fuessglänk!”

Antwort Paa: “Spennsiech! Bes etze hesch emmer gjommeret, dasst i dene Wanderschueh chä Haut heigsch ond etz sölleds plötzlech die beschte Schueh met super Halt sii?!?”.
Ich beharre auf meiner Aussage und mein Papa schaut sich meine Wanderschuhe etwas genauer an. Dann meint er etwas Belustigt: “Ech ha dier us Versehe mini alte Bärgschueh gää. Die gäbid natürlich bessere Haut und si schiined Der z’goh. Müesstisch si efach chli besser Zuebende!”

Typisch Papa, immer noch eine Kleinigkeit zu bemängeln.

Es ist ein Kreuz mit Dir Papa… Nein, nein, natürlich nicht. Ich freue mich jedes Mal riesig, wenn Du mit mir einen Rigi-Trip unternehmen willst. Das Kreuz ist einfach ein guter Anker fürs erste Bild:

Kreuz Rigi

Kreuz auf Rigi-Kulm mit Lauerzersee im Hintergrund

Wir wandern zurück zum Staffel und trennen uns dort. Papa meint noch zu mir, ich solle doch noch bei meiner Freundin vom letzten Trip vorbeigehen.
Ich frage ihn verdutzt: “Freundin? Welche Freundin?”
Er: “Irgendwas von Alex oder so. Genau! Alexa!”
Ahhh jetzt tja! Meine Alexa! Und ich bin hin und weg beim Gedanken an sie. Ich zerschmelze förmlich… Wie eine Eiscrème.
Alexa’s Standort ist wohl noch allen ein Begriff: Das Restaurant BärgGnuss.
Letztes Mal servierte uns Alexa leckere Pasta. Jetzt nehme ich “nur” einen Spresso.

Nach einem kurzen Wiedersehen, bedingt durch den Spresso den ich halt italian-style hinunterstürze, mache ich mich langsam wieder auf, in die Ebene zurück zu gelangen und back to reality…

Panorama Rigi

Panorama Rigi

Ich wandere mal los zur nächsten Haltestelle. Fahrplan studieren und feststellen: 45 Minuten Wartezeit! Zapristi!
Nochmals zurück zu Alexa?
Weiterlaufen zur nächsten Haltestelle?

Ich entscheide mich für letztere Option und treffe beim Abstieg auf Cholländer. Freunde von Märie-Änn, Yeeeeeeeeessss?!? Sie fragen mich, nachdem wir relativ rasch auf mein Lieblingsthema zu sprechen kommen: “Fussball”, ob ich auch Ajax-Fan sei?

Für alle die meinen ich hätte jetzt irgendwie die Sportart gewechselt oder so: NEIN, Gott bewahre! Das war Ironie da oben! Niemals würde ich Fussballfan werden. Ich bin und bleibe Fan von Michael Air Jordan oder um ein aktuelles Beispiel zu nennen: LeBron James! oder noch besser: Jackson Derek! Goooooo, Jackson, gooo!

Ergo lautet meine Antwort zu den Cholländern gerichtet: “Ajax? Was ist das? Kann man das essen? Oder ist das so ein Putzprodukt? Nein! Das wäre Meister Propper. Tönt irgendwie ähnlich…“

Die Niedechländech sind einfach meeeeega liebe Typen. Jetzt bieten die mir doch tatsächlich, nachdem ich sie in ihrem Fussballerstolz verletzt hab, auch noch Zuckerlis an. Wirklich protaaal diese Oranjes!

Das muss ich unbedingt mal bei Märie-Änn mal versuchen. Mal schauen, wie lieb sie ist…

Nachdem ich mich von den Flachländern verabschiedet hab, begebe ich mich auch langsam auf den Nachhauseweg.

Ich mache mir Gedanken über meine Zukunft. Über all die schönen Sachen, die ich bis jetzt in meinem Leben erleben durfte. Über Sachen die momentan gerade Präsent sind:

Während dem Lauschen der Vögel verliere ich mich beinahe in meinen Gedanken, über all die schönen Sachen die ich bis jetzt erlebt habe, all die Menschen, die es gut mit mir gemeint haben, über Sachen die ich allenfalls noch erleben werde, Menschen, auf die ich in Zukunft noch treffen werde… Und dann geniesse ich die Ruhe! Die Ruhe, die von Vogelgezwitschere unterbrochen wird und sich abwechselt mit dem Rauschen des Windes im Wald. Das ist absolut phantastisch! Ich treffe keine einzige Menschenseele an. Nur die Natur, die Stille, das Vogelgezwitschere, der Herrgott und ich.
A propos Herrgott:
Ich besuche jede Kappelle und ist sie noch so klein und verweile einen kurzen Augenblick, bete ein Vater Unser für all meine Liebsten.
Und noch inniger für meine “Wenigerliebsten”, denn diese haben es am Nötigsten!
Paa meint in seinem Whatsup irgendwas von “Runterlaufen bis Rigi-Kaltbad und dann Bahn nehmen bis Vitznau und dann aufs Schiff.
Logischerweise mache ich das nicht…
Als ich beim Chaltbad ankomme, checke ich kurz den FP (Fahrplan) und stelle fest: nächste Zugsabfahrt in 27 Min.
Genug Zeit, um bis zur nächsten Haltestelle zu wandern.
Irgendwann stelle ich fest: keine Bahngeleise mehr da. ALARM! HILFE! Zapristi! Verlaufen!
Ein, zwei tiefe Atemzüge und die feine, reine Bergluft einsaugen.
Plötzlich höre ich nicht weit entfernt ein Plätschern. Ich hab mich verlaufen und jetzt hab ich zwei Möglichkeiten. Entweder ich hänge den Weichen raus und jammere rum wie eine Memme oder ich lausche dem Geplätscher und finde zu meiner inneren Ruhe.

Ich entscheide mich für letztere Option:

Wasserfall Rigi

Wasserfall Rigi

Nach dem Ruhefinden, entschiede ich mich noch weiterzulaufen. Irgendwann muss doch das Vitznu kommen, Zapristi!
Ich wandere also weiter und weiter durchs Dickicht und über Stock und Stein. Dann plötzlich entdecke ich einen Wegweiser.
Dieser weist nach Weggis. Hourrrraaayyyy! Die Rettung naht.
Es kommt mir gerade in diesem Freudenmoment meine Luzerner Kantorei von damals in den Sinn. Damals, als wir noch unschuldige kleine Knirpse mit Engelsstimmen waren.
Das waren noch Zeiten: “Vo Lozäärn oof Wägggis zue” haben wir damals gesungen…
Jetzt trifft das reziproke Szenario zu.

Der Durst überkommt mich langsam und ich sauffe beinahe den ganzen Trog leer:

Trog

Trog

Erfrischt und gleichzeitig todmüde von den Strapazen kann ich mich mit letzter Kraft in den Volg begeben und eine Schorle und eine Banane kaufen. Nachher schaffe ich es gerade noch auf den Diamant (kommt davon, wenn man sächlichen Objekten maskuline Übernamen gibt, dann heisst es dann halt auf den Schiff Diamant).

Die Heimfahrt verläuft wie immer ohne grosse Zwischenfälle. Halt viele nĭ hăo’s und andere asiatische Individuuen.

Beim Heimfahren meinte mein Dani noch in einem Whatzup in der EXA-Gruppe nebst anderem Zeug:

“Wer ist MARKUS M*liegenderömischedrei*I*liegenderömischedrei*R? Oder heisst das MARKUS M*liegenderömischedrei*stehenderömischeeins*liegenderömischedrei*R?”

Sehr klever Dani… Du hast es ja auch drauf mit den Wortspielen! Weiter so…
Allerdings kann sich jeder selber ausmalen, was ich darauf geantwortet hab…
Trommelwirbel uuundddd:

“KNPFFFFFFFFFFFFFF! STOOOOOHHH! KNNNNNNECHCHANÖMMKNNNN”

Zuhause erzähle ich voller Stolz die Route die ich genommen hab. Ich erkläre Paa nebensächlich, dass ich nach Alexa bis nach Gersau gegangen bin und dann von dort aus das Schiff nach Luzern genommen hab.
Dann meinte Paa zuerst nur ungläubig: “Was Du besch abeglüffe?!?”
Z’vöu: “LÜFFE!”
“Welle Wääg hesch gnoh? Ond wo besch abechoo? Z’Gersau? Onmöglich!”
Dann wieder ich:
“Mou, ech be of Gersau ond vo deete met em Battallonnée wiiter of Lozäärn ond nochhäär hani de Zoog hei gnoh!”
Antwort Papa: “Dasch unmöglich! Ju driiiiiim, Ster Chöppel!! Driiiimer”
Ich: “Mou! Be en Wääg abe, woni niemer ha ghöört! Be wiit ond breit de einzig gsii. Ossert es baar Vögu!”
Paa: “Du besch en Vogu! Vo deete fahrt om die Ziit keis Scheff meh ab, wöu s’Letschte 20 Minute nochdem mer üüs trennt hend abgfaahre esch. Dasch onmöglich!”
Gemeinsam machen wir ein Brainstorming (bei mir wohl eher ein “Nothingstorming”) und wir kommen nachdem ich alle mir zur Verfügung stehenden Resourcen angezapft und wirklich alle Fäden gezogen habe zum Schluss, dass es eben doch Weggis war.

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Rigi-Trip 1904

8 Gedanken zu „Rigi-Trip 1904

  • Samstag, 2019-04-20 um
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    ja, so lernt man die Vielseitigkeiten der Rigi kennen, wenn man Wege geht die man gar nicht kennt und nicht weiss wohin man läuft. Gut germacht, den langen Abstieg wirst Du vermutlich noch in deinen Oberschenkeln spüren.

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    • Samstag, 2019-04-20 um
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      Vermutlich? Du biisch so luschtig!
      It börns like hell and you get the nerves to say it COULD POSSIBLY börn? Are you crazy?
      Hesch natütterrli Rächt. Ech merke, dassi öppis gmacht ha 😜
      Freue mech of e nögschti Trepp…

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  • Samstag, 2019-04-20 um
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    Gersau, Vitznau, Weggis… Tja, Fraue und Geometrie, eifach kei Ahnig… 😋

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    • Samstag, 2019-04-20 um
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      😂 Zvöu! Machsch Di imfau mega beliebt onder üüs Froue, met so Vorurteil… Ech glaub ech platziere das bem internationale Frauerächtshof in Deen Chaach. Det werd das wahrschiinlech zerscht Mou met grüene Metteli beraucht. Hed öberhaupt chei halluzinogeni Näbewerkige! Näänääi! 😂

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  • Samstag, 2019-04-20 um
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    Mooi verhaal! Dan neem ik dinsdag maar iets lekkers he 😛

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    • Samstag, 2019-04-20 um
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      Chliibe Märie-Änn
      Bedankt voor het compliment. Ik kijk uit naar heerlijke stroopwafel. Tot dinsdag …
      Aufch Chwiderchsechen 👋🏾👋🏾👋🏾

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  • Samstag, 2019-04-20 um
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    Haha..sehr unterhaltsamer Bericht!
    Die Schuhe..ihr zwei seid ja ein Dreamteam:)
    Tolle Leistung die ganze Wanderung! Kannst du noch laufen?

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    • Samstag, 2019-04-20 um
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      Hooooooi Sarih
      Joo joo … Ech merke vor allem höt (2 Tääg spööter), dass es chli brönnt i de Mosskle!
      Die neue aute Bäärgschueh send perfekt 😍
      Bes baud
      BrohMac

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