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Am letzten Tag des Wonnemonats begeben sich meine Mama, mein Papa und ich nach Frankreich zu meinem Bruder Bruder, welcher momentan in einem Haus in Nouan le Fuzelier, 150 km südlich von Paris stationiert ist.

Die Reise führt uns von Eschenbach via Lenzburg nach Basel und von dort weiter mit dem Treno Grande Vitato direkt in den Löwenbahnhof.
Dort angekommen, steigen wir aus dem TGV aus und machen uns auf eine “Such-den-Bruder-Bruder-Odyssee” gefasst.

Die Odyssee dauert 3 Minuten und wir treffen auf Bruder Andreas. Nach einem kurzen Begrüssungsritual begeben wir uns ins Restaurant “Frau Papa”, äähm “Roberta” meine ich, und nehmen einen ersten Leckerbissen à là French-Italien zu uns…
Gesättigt fahren wir über die sehr teure Autobahn von Paris nach Nouan. Etwa 2 Stunden Autobahnfahren kostet gleichviel wie in der Schweiz die Vignette für ein ganzes Jahr… Die spinnen die Schweizer, toc, toc, toc würde Obelix sagen. Die Autobahnen in der Schweiz sind viiieeeeeeeeeeel zu günstig…

Wir beziehen unsere Zimmer. Mama und Papa im Parterre des Gästehauses und ich vorerst im ersten Stock bei Bruder Bruder Andreas:

Chillen nach dem missglückten Saunabesuch

Chillen nach dem missglückten Saunabesuch

Das geht natürlich nicht so. Ich muss da raus. Ich beziehe meine Zelle im ersten Stock, welches sich in einem Korridor befindet, von welchem ich besser ein Kroki erstellt hätte, so verwinkelt die Gänge in diesem Kloster hier sind.

Nach dem Kiermen spazieren wir in dem riesigen Klostergarten mit einer Fläche von ungefähr 80 Hektaren, das ist die Fläche von 80!! Maximalbreitundhohefussballfeldern.

Irgendwo auf dieser riesigen Fläche besichtigen wir den Standort, auf welchem Bruder Andreas ein Baum während dem Fällen auf den Fuss gefallen ist. Entweder Andreas’ Physikkenntnisse bezüglich Erdanziehung und Fallkurvendiskussionen bei einem Baumumsägen ist ein wenig in die Jahre gekommen oder die wahrscheinlichere These: Andreas hat alles korrekt gerechnet und der Baum war böse und hat meinem Bruder einen Streich gespielt…

Wir besichtigen einen der oben erwähnten 80 Fussballfelder, auf welchem sich unsere Pachus im Juli dann austoben und somit zwei neue im wahrsten Sinne des Wortes: “göttliche” Fussballer entstehen werden. Der Baum da muss dann auch noch weg. Auch das verläuft in Frankreich viel unkomplizierter als in der Schweiz. Kettensäge und schwupps weg ist der Baum.

In der Schweiz müsste zuerst ein Antrag an die örtliche Baumfreunde m.b.H gestellt werden, welche dann in einem fünf Jahre dauernden Vor-Nachteile-Evaluationsprozess den Antrag an den VKS (Verein Klimaschutz Schweiz) stellt und so weiter und so fort.
Schwupps und bereits der nächste Baum weg.
Zumindest in meiner Phantasie…
Momentan hantiert mein Lumberjack-Bruder-Bruder nicht mit Kettensägen. Momentan gibt er sich mit uns ab:

Paradiesgarten

Paradiesgarten

Nach der Paradiesgartenbesichtigung dürfen wir im Brüdersaal im EG das Nachtessen einnehmen.
Vor dem Beziehen unserer Schlafplätze besichtigen wir noch  Bruder Andreas’ Zimmerchen. Recht klein irgendwie… Halt zweckmässig.

Am nächsten Tag gibt es zeitig tagwach und wir treffen um 08:00 Uhr zur Laudes (Morgengebet) in der Kirche zusammen. Nachher gehen wir in die Sauna.
Sauna? Ist das erlaubt als Ordensbruder?
Es macht den Anschein, denn mein Bruder und ich fahren eine kurze Strecke nach Lamotte-Beuvron um festzustellen, dass die Sauna heute ausnahmsweise nicht offen ist. Macht nichts… Fahren wir halt wieder zurück…
Nach dem missglückten Saunabegehungsversuch fahren wir auf der Autobahn zum (Wasser-) Schloss Chenonceau, wo wir die prächtigen hängenden Gärten von Babylon, nein, halt, die prächtigen Gärten von Chenonceau natürlich, besuchen und die Junisonne geniessen.

Schloss Chenonceau

Schloss Chenonceau

Das Sonnen ist halt nur halb so spassig, wenn man in der Warteschlange steht um ins Schlossinnere zu gelangen. Papa und ich haben abgemacht, dass wir NIE irgendwo länger als fünf Minuten anstehen! Geschweige denn, um ins Innere irgendeines Schlosses zu gelangen. Ich maule die ganze Zeit Bruder Andreas voll, welcher mir nach jedem meiner Bashings seelenruhig mitteilt: “Das leersch doo z’Frankreisch, c’est normale. Bättisch es Vater Unser und de semmer scho weder es Stöckli nööcher am Iigang.”

Die Warterei hat sich tatsächlich gelohnt. Es sind hunderte von Leuten, die sich im Schloss drin fortbewegen. In alle Richtungen.
Wir entdecken sehr eindrückliche Architekturen, Kassettendecken aus Eichenholz, Himmelsbetten für die verschiedenen Frauen und Cousinen der Königin, eine “moderne” Küche und viele weitere Kunstwerke:

Küchenfoto, mit modernem Kupferchässi und Geschirr

Küchenfoto, mit modernem Kupferchässi und Geschirr

 

Sekretär/Schmuckkasten einer der vielen Königinnen

Sekretär/Schmuckkasten einer der vielen Königinnen

 

Jesus Christus und Johannes der Täufer

Jesus Christus und Johannes der Täufer

Anschliessend an diese Besichtigung fahren wir zurück nach Nouan und begeben uns direkt ins Nobelrestaurant “Le Moulin de Villiers”. Dieses liegt an einem schönen Teich. Andreas und ich essen dort die gestopfte Gänseleber, von welcher er immer schwärmt. Auch der ganze Rest ist absolut exquisit.

Anderntags schlafe ich aus. Es ist schliesslich Sonntag. Es ist Sonntag. Sonntag, Sonntag, Sonntag… Ah jetzt ja. Wir sind ja in einem Kloster. Da darf die Sonntagsmesse doppelt nicht fehlen. Nach dem Aufstehen um 09:00 Uhr (jaa das ist für meine Verhältnisse recht lange und gut ausgeschlafen) geniesse ich vorher noch ein wenig den paradiesischen Gesang der Vögel. Ich war mir der Schönheit dieser Gesänge gar nie bewusst. Die Natur ist der beste und gleichzeitig auch günstigste MP3-Player der Welt.
Um Punkt 11:00 Uhr ist es dann so weit und wir begeben uns in die Kirche, um Gottes Segen für die am nächsten Tag geplante Reise nach Orleans anzurufen.

Kathedrale, neeeed höööööch!!!!!

Kathedrale, neeeed höööööch!!!!!

In Orleans besichtigen dort die Geburtsstätte von Jeanne-d’Arc und die prachtvolle, riesige Kathedrale. Wir geniessen die Altstadt und flanieren gemütlich den Ufern der Loire entlang.
Anschliessend haben wir Orleans bereits gesehen und wir fahren zurück nach Lamotte-Beuvron, wo wir ein einziges Lokal entdecken, welches am Sonntag offen hat, eine Pizzeria. Pizza ist italienisch und wir sind in Francreisch und wir verraten la belle nation nicht und entscheiden uns, nach Nouan zu fahren und dort das Abendessen zu geniessen.
In Nouan angekommen stellen wir fest: Hier hat noch weniger offen als in Lamotte.
Zurück ins einzige offene Restaurant in der Umgebung in Frankreich: wir gehen zu einem Italiener…
Ich bestelle Schnecken, da das Tradition ist im Frankenland.

Noch einmal schlafen und dann heisst es wieder BTS aka Back to Schwiitzerläänd. Ich räume meine Zelle auf und treffe anschliessend auf den Rest der Truppe und wir verabschieden uns von all den lieben Menschen, die wir hier in dieser kurzen Zeit neu kennenlernen durften.
Ungefähr um 10:00 Uhr fahren wir Richtung Paris. Dort Essen wir im Restaurant Taverne in der Nähe des Gare de Lyon unsere letzte Speise in Frankreich. Für den Moment zumindest…
Verabschiedung vom Bruder Bruder und dann 3 Stunden TGV (was heisst etze daas scho weder) nach Basel und zwei Stunden SBB zurück nach Eschenbach…

 

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Reise zum Bruder Bruder

4 Gedanken zu „Reise zum Bruder Bruder

  • Sonntag, 2019-06-09 um
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    Lieber Markus, vielen herzlichen Dank für deinen wunderbaren Bericht über eure Reise zum Bruder Bruder, wie du so schön sagst. Es ist sehr unterhaltsam und lehrreich, was du zu berichten weisst – und erst immer deine Gedanken, die du einfliessen lässt in den Tatsachenbericht. Super.
    Ich freue mich riesig auf das grosse Fest in Lourdes, dort Andreas, dich und deine Familie zu treffen.
    Und noch Kompliment für euren schönen Pfingstgesang heute – war echt feierlich, nur schade, dass da nicht mehr Leute hingehen.
    Häb no schöni Pfingste. Liebei Grüess Ammarie

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  • Montag, 2019-06-10 um
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    Liebi Ammarie 😉
    Es freut mech, dass Der mini Brichte amigs so guet gfalled.
    Au ech freue mech sehr of d’Prieschterweihi vom Bruder Bruder.
    Vele Dank för Dis Komplimänt bezüglich üsem Chorgsang…
    Die fäählende Lüüt send alli im Stau vor em Gotthard gschtande 🙂
    Jojoo… Jedem sein Plösierchen. Wenn die Lüütlis Fröid hend im Stau z’stooh, denn sölids das mache.
    Ech beniide si ned drom.
    Schööni Ziit
    Markus

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  • Montag, 2019-06-10 um
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    Lieber Markus, wiederum ein Meisterwerk deiner schriftstellerischen und journalistischen Begabung!
    Ich könnte dich stundenlang lesen – man bekommt nie genug, ausser … von der gestopften Gänseleber
    – und das ist ein heikles Kapitel für sich!
    Letztes Jahr war ich auch im Schloss Chenonceau, ohne zu wissen und zu ahnen, dass dein Bruderherz
    so nahe im Eden zuhause ist.
    Auch ich freue mich auf den 13. Juli – und auf den nächsten Bericht!
    Alberich

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    • Dienstag, 2019-06-11 um
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      Lieber Pater Alberich
      Vielen Dank für Dein Kompliment. Es freut mich speziell, so eine schöne Antwort von Dir zu erhalten.
      Die gestopfte GL stösst nicht nur bei Dir auf Unbehagen. Auch mein Mami kann nicht viel bis gar nichts damit anfangen. Dies aus beruflichen Gründen…
      Wir lassen dieses Thema glaube ich jetzt wirklich besser so im Raum stehen, da es sonst nur die Situation unnötig verkompliziert…
      Ich freue mich auch, mit Dir am 13. die Festivitäten von Br. Andreas mitfeiern zu dürfen.
      Bis dann und liebe Grüsse
      Markus

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