Es geht heute zu früher Stund Richtung Oberwald. Die Fahrt verläuft unterhaltsam. Der Grund für die Reise ist nicht wirklich erfreulich, denn mein legendärer Onkel Urs ist verstorben.
Hier mein ganz persönliches Memoria an ihn:
Beinahe jede unserer Ferien verbrachten wir in meiner Jugend in Oberwald. Meist nachdem wir in unsere Wohnung eingecheckt hatten, kam die Frage auf: “Wo esch de Onkel Urs?”
Die Antwort war beinahe immer: “Äppe em Furka, em Tannehoff oder em Ahorni!”
Wir begaben uns jeweils auf die Suche und fanden ihn gemütlich dasitzend in einem der damals etwa fünf Lokale, die es in der knapp 200 Seelengemeinde Oberwald gibt respektive gab, am Stammtisch sitzend vor. Am Morgen gab es jeweils zum Starten einen Kaffee und Ziitig läse, gäll. Dann ging es weiter in die nächste Beiz, wo sich Urs seinem ersten Bier widmete.
Nach der ersten Stärkung machten wir uns auf den Weg in die nächste Beiz. Zigarette anzünden und losmarschieren.
Einmal fuhren wir mit dem Auto in die Kiesgrube, um es Fachgerecht für die Entsorgung vorzubereiten 😳. Die Garage hat schliesslich gemeint: “Für dass Faahrziigg chan ech Dier nex meh ghä!”
Urs dachte sich vermutlich: ‘De ereffnent wier enschi eigeni Entsoorgerii’…
In der Kiesgrube angekommen meint er zu mir:
“Hennena linggs!”.
Ich verstand nicht was er gemeint haben könnte. Auch Luki und meine Brüder, welche auch dem Prozess beiwohnten, verstanden nicht wirklich.
Er wiederholt: “Ech hä doch gsett hinnena links! Poort üüff!”
Ein bisschen zögerlich öffnete Luki während dem Fahren die Tür. Urs gab ein wenig mehr Gas und dann: “Pämmmm”, die Tür schlug recht wuchtig zu.
Wir fuhren weiter und erneut kam ein Auftrag, diesmal an mich: “Voorena rächts!”
Ich öffnete weniger zögerlich meine Tür und erneut: PÄÄMMMMM!
Diesmal mit solcher Wucht, dass die Scheibe berstete und ich mich in versplitteretem Sicherheitsglas wiederfand. Zum Glück gabs keine Verletzungen.
Urs meinte nur ganz ruhig und bedacht, nachdem er kurz die Lage geprüft hatte: “Das isch jetzt nitt werklich güett gsiis. Jetzt miessemer üffhere! Gäämer gad n’s Furka es wiiters Mini ga näh.”
Im Furka steckten wir uns eine Kippe an und genossen das wohlverdiente Bierchen nach dem Verschrottungsverfahren.
Zum Glück hats Dich gegeben Urs, denn Du hast der Welt gezeigt, dass jedes Leben lebenswert ist. Egal was für Herausforderungen es parat hat.
Die Totenmesse jedenfalls halten wir unter Vorsitz vam Gettibüeb ab.
Er zelebriert eine schöne Messe und Anneli trägt den Lebenslauf von Onkel Urs sehr liebevoll und treffend vor.
Nach dem Kirchgang gehts in eine der Stammbeizen von Urs. Im Ahorni dürfen wir den Leichenschmaus zu uns nehmen und noch ein wenig über alle Erlebnisse, die wir mit Urs zusammen erlebt haben, sprechen:

Ich glaube Urs freut sich über unser Feiern und wäre sicherlich auch mit einem Mini dabei, um mit der ganzen Gruppe anzustossen.
“No gad es wiiters Mini, zom mine Tood gebührend z’zellebrirä.”
Du wirst mir immer in Erinnerung bleiben, lieber Onkel Urs, der Du unser aller Götti warst. Ein Prost auf Dich 🍺 und Dein Leben 🍻…
Nach dem Schmaus zu Ehren von Urs begeben wir uns noch zu Anneli nach Hause und werden dort mit Kuchen und Kaffee verwöhnt.
Am späten Nachmittag begeben wir uns bereits wieder zurück ins Unterland. Wir laden Res ab und Hansi fährt uns zurück nach Ballwil. Dieser verabschiedet sich nach kurzer Zeit und geht zurück zu seiner Familie.
Vielen Dank lieber Urs und ganzer Hischierclan und Anhang für das schöne Memento das wir für Dich abhalten durften…
Lieber Markus, Dein Onkel Urs freut sich sicher über die Worte, die Du über gemeinsame Erlebnisse mit ihm geschrieben hast. Du hast Urs gern gehabt, das spürt man bei jeder Zeile. Sein Vermächtnis, dass jedes Leben lebenswert ist, bleibt unauslöschlich in Erinnerung.
We immer mit viu Härz und Humor gschribä.